Ausbilderseminar der LG Ost am 04. und 05. März 2023 mit Frauke Loup

 

Bericht Ausbilderseminar der LG Ost am 04. und 05. März 2023 mit Frauke Loup

 

Körpersprache und Ausdrucksverhalten „Hund – Hund“ und „Mensch – Hund“

 

Ich schreibe es glatt noch einmal: Was für ein Wochenende! Hatte mich schon das Seminar mit Robert Mehl begeistert, so war auch diese Fortbildung rundherum klasse. Wieder durfte ich als Vorstandsmitglied der BZG Berlin-Brandenburg ein ganz besonderes Seminar für die AusbilderInnen des DRC besuchen. Deshalb schreibe ich gerne wieder einen kleinen Artikel über unser Wochenende in Jüterbog – ganz aus meiner Sicht. All die vielen guten Anregungen werden Euch Eure TrainerInnen mit altbekanntem Engagement zu vermitteln wissen.

Frauke Loup, aus dem Team der Hunde-Akademie Perdita Lübbe aus Griesheim, führte uns durch einen ganz bemerkenswerten Lehrgang. Anhand von Video-Analysen zeigte sie uns anschaulich, wie man den Hund richtig „liest“. Solche Videoaufzeichnungen sind eine gute Möglichkeit, Hundeverhalten richtig zu deuten und sie bieten eine intensive Auseinandersetzung mit der Körpersprache und entsprechenden Verhaltensweisen bei Mensch und Vierbeiner. Frauke Loup gelang es, mit scharfem Blick das Wesentliche herauszufiltern und Tipps zu geben, wie man eingefahrene Verhaltensweisen aufbrechen kann. Sie beachtet dabei stets, dass jeder Mensch und jeder Hund eigene, spezielle Wesenszüge haben, die im Training miteinzubeziehen sind. Immer wieder wird deutlich, dass in erster Linie der Mensch lernt. Es geht darum, eine gegenseitige Vertrauensbasis zu schaffen, denn je gefestigter die Beziehung ist, desto mehr Freiheiten kann ein Mensch-Hunde-Team genießen. Es ist der Perspektivwechsel bei einer Video-Analyse, der es ermöglicht, Verhaltensmuster zu erkennen und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Über allem steht natürlich, je konkreter der Mensch sein Ziel formulieren kann, desto konkreter können auch Lösungswege erarbeitet werden. Frauke Loup sensibilisierte uns, die feinen, oft kaum wahrnehmbaren Signale unserer Hunde zu erkennen. Ein geschulter Blick, den unsere TrainerInnen aus den unterschiedlichsten Bezirksgruppen des DRC ja schon per se haben (ich weiß, wovon ich spreche, denn meiner Trainerin entgeht nichts), ist ganz entscheidend für eine gute Teambildung Mensch-Hund. An diesem Punkt erinnerte Frauke uns auch daran, wie wichtig regelmäßige Gesundheits-Checks sind und plädierte neben regelmäßigen Entwurmungen etc. auch für eine jährliche Blutuntersuchung.

Viele Teilnehmer hatten ihre Hunde dabei – also gab es genügend „Übungsmaterial“. Am ersten Seminartag ging es um die Kommunikation Hund – Hund. Wie gehen sie miteinander um? Was „besprechen“ sie? Was genau lässt sich an ihrer Körpersprache ablesen? Da wurde im kalten Wind auf einer abgezäunten Pferdekoppel ordentlich gefilmt, um anschließend zurück im Warmen zu analysieren und manchmal auch zu staunen (zumindest ich staunte, wie vielfältig die Kommunikation unserer Hunde ist). Da ging es um unterschiedliches Wälzverhalten, Gangart und Pfotenstellung (wie läuft und steht der Hund, drückt er Selbstsicherheit oder eher Unsicherheit aus), um Raumverhalten und Begrenzung, Geruchswahrnehmung am Gegenüber (Hormonstatus, Alter, Charaktereigenschaften usw.), Rutenstellung, Spielverhalten und vieles, vieles mehr. Und bei allen Verhaltensweisen sollten wir immer bedenken, der Hund macht nichts zufällig!  Das Betrachten der Aufnahmen ergab viele nützliche Hinweise für das alltägliche Miteinander: Vorsicht beim Rückwärtsgehen, Anstarren vermeiden, richtiges Begrenzen etc. Frauke erinnerte uns mehrfach daran, dass wir als Mensch die sichere Station, sprich der verlässliche Partner für unsere Fellnase sein müssen. Alles was man zulässt, sollte man auch wieder unterbinden können. Ein Gespür für all diese Feinheiten zu entwickeln, hilft, seinen Hund richtig zu deuten. Für mich als Nicht-Trainerin in dieser Gruppe war das ganz besonders spannend und steigert den Ehrgeiz an der Arbeit für meinen Hund der Partner zu sein, den er braucht. Nur nebenbei bemerkt habe ich mir gleich das Standardwerk von Dorit Feddersen-Petersen bestellt – dieses Buch werde ich Euch in der nächsten Ausgabe unserer Clubzeitung vorstellen zusammen mit dem von Christian vorgestellten Buch „Der ganz normale Wahnsinn – Von Hunden und ihren Menschen“ von Perdita Lübbe-Scheuermann und Frauke Burkhardt. Das wird eine gute Ergänzung zu unserem Seminar sein.

Am nächsten Tag drehte sich alles um die Kommunikation Mensch – Hund. Wie „liest“ der Hund seinen Menschen? Weshalb kommt es im Mensch-Hund-Miteinander zu Missverständnissen? Dabei ging es um unsere oft unklare Körpersprache, fehlende Körperspannung und um unsere Stimmungsübertragung auf den Vierbeiner. Dazu wurden wieder einige Videoaufnahmen gedreht, diesmal aber bei Sonnenschein. Verschiedene Szenarien wurden im Anschluss wieder analysiert und mögliche alternative Verhaltensmöglichkeiten besprochen. Nebenbei stellten wir natürlich auch fest, dass es immer auch eine Diskrepanz zwischen Alltags- und Trainingsverhalten gibt. Wir als Mensch fungieren als Entscheidungsträger. Von unseren Hunden dürfen wir aber nicht ein bloßes Funktionieren erwarten, denn schließlich sind sie keine reinen Befehlsempfänger. Unsererseits ist stets vorausschauendes Verhalten gefragt und ein gutes Timing noch dazu. Dabei hilft auch, einmal die eigenen Signale, die wir ständig senden, zu reflektieren. Mehr Konzentration erreichen wir durch mehr Langsamkeit. Souveränität und Gelassenheit ist das A und O eines guten Miteinanders. Und genau ein solches Miteinander schweißt Mensch und Hund zusammen.

Zu guter Letzt wurde in einer Abschlussrunde jeder Teilnehmer nach seinem Fazit befragt. Selbstverständlich gab es hierbei durchweg nur positive Resonanz. Ich erlaube mir an dieser Stelle ein ganz persönliches Resümee: Ich bin tatsächlich beeindruckt, wie viel unsere Trainer an Engagement investieren, um uns als Mensch-Hund-Team voranzubringen. Gerade weil ich immer mehr an Einblick dazu gewinne, schätze ich die Arbeit unserer Trainer sehr. Das hat auch Konsequenzen auf mein eigenes Verhalten. Es ist genau diese Arbeit, die ich als Chance verstehe, mit meinem Hund Ziele zu erreichen. Diese Ziele definiert natürlich jeder für sich selbst. Und damit meine ich nicht allein Dummyprüfungen, Workingtests o.ä., sondern ein solches Ziel liegt eben auch in einem für beide Seiten beglückenden Miteinander. Es liegt sozusagen in meiner Hand, meiner Fellnase der Partner zu sein, den er tatsächlich braucht.
Gefilmt zu werden, war recht aufregend und mit Sicherheit für mich eine neue Erfahrung. Zu erkennen, woran es hakt, hat auf meiner Seite auch ein paar Tränen gekostet. Macht nichts! Jetzt heißt es, packen wir`s an. Lyanna und Lorella, meine beiden Golden-Damen, wird es freuen.

Ein herzliches Dankeschön an Frauke Loup für dieses herausragende Seminar. Und natürlich ein ebenso herzliches Danke an Christian als Sonderleiter, der mit viel Herzblut dieses Wochenende perfekt organisiert hat. Aber ebenso gebührt allen TeilnehmerInnen auch ein Dankeschön, denn es war ein wirklich gutes Miteinander.

 

Linda Pasderski – Schriftführerin der BZG Berlin-Brandenburg